Ein Interview mit Automobil Blogger Moritz Nolte

Moritz, für unseren Kunden ichwillmeinautoloswerden.de haben wir bereits erfolgreich im Rahmen der Techno Classica zusammenarbeiten können und eine kleine Aktion umgesetzt. In unserem Gespräch auf der Messe haben wir uns darüber unterhalten, dass viele Unternehmen Sinn und Unsinn hinsichtlich erfolgreicher Blogger Relations noch nicht so ganz verinnerlicht haben und es eigentlich gar nicht so schwer sein sollte, einen Blogger glücklich zu machen.

Blogger Relations in Deutschland

  1. Wie hat sich „Blogger Relations“ in den letzten 5 Jahren in Deutschland entwickelt? Was ist Dein Eindruck wenn Du an diverse PR-Anfragen denkst?

Blogger Relations sind nach meiner Erfahrung mittlerweile fester Bestandteil in den Kommunikationsabteilungen der großen Konzerne. Zum Teil schlägt sich das auch personell nieder: zahlreiche Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite haben neue Stellen geschaffen, wo sich nun Digitalprofis um die Zusammenarbeit mit Bloggern und weiteren Digital Influencern kümmern. Vor allem auch die Autoindustrie nimmt uns Autoblogger mittlerweile ernst und sieht viel Blogger als relevante Medienpartner.

 

  1. Manche Blogger und auch PR Berater sagen, eine Pressemitteilung hat absolut nichts im Posteingang eines Bloggers zu suchen. Was denkst Du darüber? Ist der Blogger nicht auch an aktuellen Informationen aus der Branche sowie Produktnachrichten interessiert?

Ich bin nicht der Freund von pauschalen Urteilen. Hier muss man sicherlich differenzieren. In sehr, sagen wir „produktorientierten“ Bereichen sind natürlich auch Blogger abhängig von guten Text- und Bildmaterialien, die man für die redaktionelle Berichterstattung im News-Bereich nutzen kann. Aber es stimmt schon: als Blogger wirst du heute erschlagen von Pressemeldungen jeden Tag. Das ist, nebenbei bemerkt, sicherlich aber auch ein Problem klassischer Journalisten. Hier fällt es schwer, den Überblick zu behalten und zu filtern. Unterm Strich landen aufgrund der Masse an Mitteilungen bestimmt 90% der Mails im digitalen Papierkorb. Die Gründe sind vielfältig, aber meistens handelt es sich um für uns kaum relevante Themen.

 

  1. Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie an Kooperationen mit Blogs denken? Was ist Dir als Blogger am wichtigsten?

Wichtig ist, das Blogs auch im Rahmen von Kooperationen, zum Beispiel von Content Marketing-Kooperationen, ihre Authentizität behalten. Das ist ein wichtiger Punkt, den ich auch als Gründer und Geschäftsführer des „autoblognetwork“, dem größten Autoblog-Vermarkter in Deutschland, in Gesprächen mit Kunden und Agenturen immer wieder hervorhebe. Wenn man authentisch und ehrlich bleibt und auch Kooperationen mit dem eigenen Anspruch, den man an seine redaktionelle Artikel hat, und dem eigenen Stil füllen kann, dann ist das sowohl im Sinne der Leser und deshalb auch im Interesse der Kunden – denn die wollen ja, dass sich ihre Zielgruppe, also unsere Leserschaft mit ihren Kommunikationsinhalten auseinandersetzen. Mit anderen Worten: Unternehmen können und sollen natürlich Themen vorgeben – allerdings sollten sie Bloggern einen größtmöglichen Freiraum geben, wie diese Inhalte gespielt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist „Transparenz“. Unsere Leserschaft erwartet und verdient es, dass wir bezahlte Kooperationen als solche kennzeichnen.

 

  1. Welche Probleme siehst Du am häufigsten, wenn es um Kooperationen geht?

Ich sehe eigentlich keine Probleme, was Kooperationen angeht. Eher Herausforderungen. Mit unserem autoblognetwork sind wir im Automotive-Bereich schon recht erfahren und haben mit vielen Kunden und Agenturen bereits zahlreiche erfolgreiche Kooperationen umsetzen können – bei denen man übrigens auch zunehmend merkt, dass sich das Verständnis für Blogger und deren spezielle Bedürfnisse bei Kunden und Agenturen stetig verbessert.

Wenn die Marke und/oder das zu bewerbende Produkt zum Blog passt, dann ist das schon einmal das Wichtigste. Ansonsten ist es immer gut, wenn man – sollte man als Unternehmen keine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Bloggern haben – fähige Agenturen oder Berater hinzuzieht, die sich damit auskennen und nachweislich Erfahrungen in Bezug auf Blogger Relations haben. Wenn man als Blogger wenig Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmen hat, sollte man hier am besten mit anderen Bloggern Kontakt aufnehmen, die sich hier besser auskennen.

Wenn ich über den Tellerrand in andere Bereiche blicke, dann muss ich aber tatsächlich sagen, dass ich hin und wieder Kopfschmerzen habe, wie Kooperationen realisiert werden. Was gar nicht geht, ist, bezahlte Placements nicht als solche zu kennzeichnen. Ich befürchte, vielen Bloggern und Youtubern ist gar nicht klar, dass sowas auch rechtliche Probleme nach sich ziehen kann. Hier wären natürlich auch die Kunden und Agenturen in der Pflicht, eine entsprechende Kennzeichnung zu verlangen. Wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es da draußen einige schwarze Schafe gibt, die genau das erwarten, zum Beispiel im SEO-Bereich.

 

Gute Blogger Relations auch mit geringem Budget?

  1. Gerade in der Automobilbranche gibt es oft recht umfangreiche Marketingbudgets. Ein kleines Unternehmen kann da kaum mithalten. Wie schaffen es auch kleine und mittlere Unternehmen und Marken, Blogs auf sich aufmerksam zu machen?

Das stimmt, für kleinere Unternehmen ist es schwer, sich Gehör bei Bloggern zu verschaffen. Aber auch diese Firmen können es schaffen. Egal ob wir jetzt im PR- oder Marketingbereich sind: mit frischen, intelligenten Ansätzen können auch Kunden mit kleinen Budgets Marketingkooperationen mit Bloggern eingehen. Grundsätzlich sind Bloggern ihre Leser heilig, insofern ist Relevanz immer ein Stichwort: Blogger wollen ihren Lesern relevante oder auch exklusive Inhalte anbieten. Das gilt sowohl für redaktionelle als auch bei werbliche Inhalte.

 

  1. Thema Duplicated Content im Hinblick auf SEO: Oft gibt es tolle Ideen die im Rahmen einer Kooperation mit einem Blog umgesetzt werden. Das Ganze soll dann aber auch direkt im Corporate Blog des Unternehmens wiedergefunden werden. Worauf sollte das Content Marketing Team achten, damit es nicht zum gefürchteten „duplicated content“ kommt?

Bei unseren Kooperationen versuchen wir immer, dass die redaktionelle, inhaltliche Hoheit, vor allem auch bei Advertorials bei uns bleibt und wir selbst unsere Texte verfassen. Texte 1:1 ins Corporate Blog zu kopieren, macht dann natürlich keinen Sinn. Hier könnte ich mir vorstellen, dass ein Blogger – etwa aus dem Unternehmen selbst oder ein freier Autor oder die Agentur oder noch besser: ein an der Kampagne teilnehmender Blogger – den oder die Texte der Blogs in eigenen Worten zusammenfasst und gegebenenfalls mit einer eigenen Meinung versieht. So erfährt auch der Text im Corporate Blog etwas „Wertschöpfung“ und wird so viel relevanter als ein kopierter Text.

 

  1. Pressereisen sind in der Automobilbranche eine recht große Nummer. Und sicherlich wird das auch noch eine Weile so bleiben. Wann lohnt sich für Dich eine Pressereise?

Pressereisen sind nicht erst seitdem wir Blogger verstärkt an solchen teilnehmen ein Thema. Das waren sie auch schon zu Zeiten der klassischen Medien. Wichtig für uns Blogger, und sicherlich die meisten der „normalen“ Journalisten, sind nicht teure Hotels oder Feinschmeckeressen. Viel wichtiger ist für uns die Möglichkeit, guten und möglichst exklusiven Content zu erstellen. Wie gesagt: vielen Bloggern sind ihre Leser heilig – und die interessiert es nicht, was ich abends gegessen habe oder wie und wo ich geschlafen habe. Die wollen einfach guten Content konsumieren.

 

Blogger Relations in Zukunft

  1. Wie, glaubst Du, wird sich Blogger Relations in den nächsten Jahren in Deutschland entwickeln?

Blogger Relations haben sich in der Tat sehr positiv entwickelt und die Entwicklung ist hier sicherlich noch nicht zu Ende. Gerade im Autobereich dürften, nachdem sich die Hersteller hier bereits positioniert haben, verstärkt Automobilzulieferer die Kommunikationsdisziplin Blogger und Influencer Relations gerade erst für sich entdecken.

Ich glaube außerdem, dass zukünftig eine Differenzierung stattfinden wird. In den letzten Jahren wurde in den Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und in Agenturen oft von „den Bloggern“ gesprochen. Aber eine homogene Masse der Blogger gibt es ja gar nicht. Hier gibt es viele, viele große und kleine Unterschiede hinsichtlich der eigenen Themenschwerpunkte, des Sprachstils, der Themenkompetenz und letztlich was die Qualität angeht. Alles Punkte, die den Unternehmen eigentlich nicht egal sein können…

 

Vielen Dank für die Infos und Deinen Rat.

Blogger Relations Photo: © clipdealer.de
Photo: clipdealer.de

Top 5 Erkenntnisse

  • Blogger Relations wird für die Unternehmenskommunikation verschiedener Branchen immer wichtiger, denn gute Blogger sind einflussreiche Multiplikatoren und Meinungsführer.

  • 90% der Emails an Blogger landen im Papierkorb – wichtig ist nur wirklich durchdachte Konzepte und für den Blog relevante Themen zu kommunizieren. Nachfragen hilft.

  • Authentizität und Transparenz sind für professionelle Blogs unerlässliche Qualitätsstandards – wer mit Blogs arbeiten will muss den Bloggern größtmöglichen redaktionellen Freiraum geben. Alle bezahlten Kooperationen müssen als solche gekennzeichnet werden.

  • Kennzeichnungspflicht! Wer bezahlte Kooperationen (Werbung) nicht entsprechend kennzeichnet kann rechtliche Probleme bekommen – das gilt für den Blogger wie auch das beteiligte Unternehmen.

  • Relevanz, Kreativität und möglichst exklusiver Content – das sind die Zauberworte, um einen Blog für ein Thema zu gewinnen.

Moritz Nolte © automobil-blog.de Blogger Relations

Moritz Nolte bloggt seit 2006 auf Automobil-Blog.de – und dürfte damit Deutschlands dienstältester Autoblogger sein. 2012 gründete Moritz das „autoblognetwork“, Deutschlands einziges Autoblog-Vermarktungsnetzwerk. Seit 2013 arbeitet Moritz außerdem als freier Marketing-Berater für die Automotive-Branche.